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Urheberrechtlicher Schutz von Fotos

Bei der Nutzung von Fotos ist Vorsicht geboten - Empfehlungen für die Praxis

Bei der Nutzung von Fotos ist Vorsicht geboten, Quelle: istock-ID: 76509573, ©nensuria

Das Urheberrecht schützt nicht jede kreative Leistung, sondern verlangt einen Werk-Charakter. Ein „Werk“ liegt wiederum nur vor, wenn es Individualität gegenüber bereits vorhandenen Gestaltungen aufweist. Die Voraussetzung der Individualität bzw. der künstlerischen Gestaltungshöhe ist die erste zu nehmende Hürde, wenn eine Leistung kopiert wird und die Kopie mit Hilfe eines Gerichtsverfahrens abge-wehrt werden soll. Viele Arbeiten schaffen diese Hürde nicht, sie bleiben dann schutzlos.

Fotografen haben es gut

Fotografien haben in dieser Hinsicht eine enorme Vorzugsstellung. Sie genießen entweder als Lichtbildwerk bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlichen Schutz oder sind zumindest als einfaches Lichtbild bis 50 Jahre nach Erscheinen bzw. Herstellung geschützt. Ein Lichtbildwerk liegt vor, wenn der Urheber die fotografische Abbildung durch den Einsatz von Gestaltungsmitteln gezielt beeinflusst. Als Gestaltungsmittel stehen ihm z.B. die Auswahl eines bestimmten Ausschnitts, die Entscheidung über die Brennweite des Aufnahmeobjektivs, die Entscheidung über die Schärfentiefe durch Wahl einer Blende und die Wahl des Aufnahmeformates, das die Bildauflösung bestimmt, zur Verfügung. Als Anhaltspunkte für eine hinreichende Individualität eines Lichtbildwerkes kommen daher ein besonderer Bildausschnitt, Licht- und Schattenkontraste sowie ungewohnte Perspektiven in Betracht. Ob es sich bei dem Urheber um einen Profi- oder Hobbyfotografen handelt, spielt keine Rolle.

Zauberwort: Gestaltungsspielräume

Unter Lichtbildwerke fallen daher in der Regel nicht reine Reproduktionsfotografien von zweidimensionalen Gegenständen wie Buchseiten und Zeichnungen. Hier ist der Gestaltungsspielraum des Fotografen stark eingeschränkt, so dass eine Beeinflussung des Bildresultates häufig nicht möglich ist. Wird jedoch ein dreidimensionaler Gegenstand abgelichtet, etwa ein Modell oder Prototyp, stehen dem Fotografen Spielräume bei der Lichtmodulation, der Auswahl der Perspektive und der Beeinflussung der Tiefenschärfe zu, so dass hier ein Lichtbildwerke mit der langen Schutzdauer die Folge sein kann. Das „Zauberwort" heißt daher „Gestaltungsspielräume“. Ihr Vorhandensein bzw. Ausmaß entscheidet über das Entstehen einer künstlerischen Fotografie.

Immerhin Lichtbildschutz

Fotografen müssen sich darüber jedoch nicht allzu viel Gedanken darüber machen, ob sie nun ein Lichtbildwerk geschaffen haben oder nicht. Denn das Urheberrechtsgesetz stellt, wie eingangs gesagt, auch einfache Lichtbilder immerhin bis 50 Jahre nach deren Erscheinen bzw. Herstellung unter Schutz. Im Gegensatz zur schöpferischen Fotografie ist das einfache Lichtbild das Ergebnis einer bloßen technischen Leistung. Die Anfertigung setzt keinerlei besondere Fähigkeiten voraus, so dass sämtliche alltäglichen Amateuraufnahmen und sogenannte Knipsbildchen darunter fallen. Dazu zählen auch simple Produktabbildungen ohne besondere Beleuchtung, Schaffung einer Atmosphäre und Verteilung von Licht und Schatten. Weitere Bespiele sind Standbilder einer Wetterkarte, Röntgenaufnahmen, Ultraschallbilder, Computertomografie-Bilder und Kernspintomografie-Bilder. Auch Fotos, die mit feststehender Kamera und Bewegungsmelder gefertigt werden, fallen darunter, z.B. Radarfotos. Für Fotografen ein Segen. Für Bildnutzer gilt jedoch, dass sie selbst bei schlichten Fotos Rechte für deren Nutzung einholen müssen. Sonst drohen Unterlassungs- und Zahlungsansprüche wegen Urheberrechtsverletzungen.

Schutz des Arrangements

Um noch einmal auf die Lichtbildwerke zurückzukommen: Da sie eine  künstlerische Gestaltung aufweisen, ist auch ihr Arrangement von Bildelementen vor Kopie geschützt. D.h. die in einem Foto zum Ausdruck kommende schöpferische Komposition etwa von Personen, Gegenständen und Umgebung darf nicht von Dritten nach-gestellt werden. Wer also meint, die Einholung von Nutzungsrechten an der Fotografie dadurch umgehen zu können, dass er die spezifische Szene des Lichtbildwerkes einfach nachstellt und davon ein Foto fertigt, liegt falsch. 

Fazit - Empfehlungen für die Praxis

Der Schutz von Fotografien geht damit sehr weit. Unter den Urhebern bilden  Foto-grafen eine Berufsgruppe, die durch Berufsverbände optimal aufgestellt sind und sich ihrer Rechte bewusst sind. Die Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) sind zudem von Gerichten anerkannte Grundlagen, um nachträgliche angemessene Vergütungen im Falle von Rechtsverletzungen zu berechnen.

Es ist daher dringend davon abzuraten, ohne Zustimmung von Urhebern fremde Bilder zu vervielfältigen und zu verbreiten, nach dem Motto, „wird schon nicht auffallen“. Das Auffinden von ungenehmigten Nutzungen ist mittlerweile einfach, und die Fotografen müssen um das Eingreifen urheberrechtlichen Schutzes nicht kämpfen.

Autorin: Sabine Zentek, Rechtsanwältin

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