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Ohne GPS zum Ziel: neues System für Indoor-Navigation

Erfindung der Universität Duisburg-Essen macht Orientierung in Gebäuden leichter

© Jannoon028/Freepik.com

Es gibt sie noch, die Karte aus Papier. Während die faltbaren Navigationsgeräte in Städten oder im Auto wie ausgestorben scheinen, sind sie auf Messen oder in großen Malls und Museen oft die einzige Orientierungshilfe. Denn das satelliten-gestützte Ortungsverfahren per GPS dringt nicht durch Betonmauern. Die Universität Duisburg-Essen hat ein einzigartiges System entwickelt, das digitale Navigation auch innerhalb von Gebäuden möglich macht. Mit Unterstützung von PROvendis ist aus der Erfindung eine Patentanmeldung entstanden. Die Rechte zur gewerblichen Nutzung der Erfindung hat sich das Bonner Unternehmen Locoslab gesichert.

Gerade dort, wo es besonders unübersichtlich wird, versagt die Handy-Navigation. In riesigen Messehallen, Einkaufszentren, Flughäfen, Bahnhöfen, Universitäten, Ämtern oder Museen sind Besucher auf gedruckte oder fest installierte Übersichten angewiesen. Bis das Ziel auf der Karte entdeckt und die Legende entziffert ist oder der Orientierungsplan überhaupt erst gefunden wird, vergehen Minuten um Minuten. Was im Außenbereich bereits fester Bestandteil unseres Alltags ist – sich das günstigste Restaurant, die nächste Tankstelle oder den passenden Geldautomaten auf dem Smartphone anzeigen lassen –, funktioniert innerhalb von Gebäuden bisher nicht.

Die Erfindung des Lehrstuhls Networked Embedded Systems der Universität Duisburg-Essen hat sich dieser Herausforderung angenommen und eine Lösung gefunden. Die Wissenschaftler Prof. Dr. Pedro José Marrón, Dr. Marcus Handte und Stephan Wagner haben eine Indoor-Navigation entwickelt, die auf drahtlosen Signalen von iBeacons basiert. Mit dem Konzept des sogenannten RF Fingerprinting ist eine effiziente Lokalisierung in Innenräumen möglich. Die Anwendung erfolgt in drei Schritten: Zunächst wird die Umgebung modelliert, dann die erforderliche Hardware installiert und abschließend in der Zielumgebung kalibriert. Dieses Vorgehen ist besonders schnell und kostengünstig: Für ein 7500 m²-großes Fabrikgebäude beträgt die Einrichtungszeit ca. eine Stunde. Nach erfolgreicher Kalibrierung kann das System sofort für die Lokalisierung genutzt werden. Die Nutzer brauchen hierzu WLAN-fähige Smartphones oder Tablets sowie eine zugehörige App, die sie zum Ziel navigiert.

Mit Locoslab hat eine Ausgründung der Universität Duisburg-Essen die Rechte zur gewerblichen Nutzung der Erfindung erworben. PROvendis hat diesen Technologietransfer nicht nur bei der patentrechtlichen Sicherung mit ermöglicht: „PROvendis stand uns und der Universität Duisburg-Essen bei der Verhandlung des Lizenzvertrags professionell zur Seite – jetzt können wir das Potenzial der Erfindung weiter entfalten und in die Praxis bringen“, sagt Locoslab-Inhaber und Miterfinder Pedro José Marrón. Für die Indoor-Navigation sieht er viele Anwendungsgebiete: „In Museen können informative Touren gestaltet werden, auf Messen können Geschäftskontakte leichter zueinander finden, in Einkaufszentren können Kunden schneller bestimmte Waren finden und Unternehmen können Angebote bewerben.“ Locoslab verkauft die individualisierbare Dienstleistung an Unternehmen und Veranstalter. Diese können ihren Zielgruppen die Indoor-Navigation wiederum über eine kostenlose App zur Verfügung stellen.

Mit der Auswertung der Navigationsdaten stehen den Kunden von Locoslab zudem völlig neue Informationen über das Verhalten ihrer Kunden und Besucher zur Verfügung. Diese Daten werden allerdings nur unter Zustimmung der Nutzer verwendet. Und grundsätzlich werden auch nur all jene Personen und Orte in der Navigation verzeichnet, für die eine Ortungserlaubnis vorliegt.

Locoslab war 2014 unter den Finalisten des CODE_n Awards, der jährlich auf der CeBIT an digitale Pioniere vergeben wird. Einen ersten großen Testlauf hatte die Indoor-Navigation dann im darauf folgenden Jahr: Auf der CeBIT 2015 zeigte die kostenlose App von Locoslab den Weg zu den Finalisten des CODE_n Wettbewerbs und schlug den Nutzern interessante Gesprächspartner in der Umgebung vor. Diese Innovation macht nicht nur die Orientierung in Innenräumen leichter, sondern ermöglicht auch eine ganz neue Erlebnisqualität, die vielleicht sogar das Abenteuer Kartenlesen übertrifft.     

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