Medizintechnik

Fuß-Dummy - Prüfverfahren für Orthesen der unteren Extremität

Ref.-Nr. 6006

Keywords: Fuß- Dummy, Unterschenkelorthesen, Prüfverfahren, Diabetisches- Fußsyndrom, Orthopädie

Die orthopädische Behandlung der unteren Extremitäten bietet verschiedene Versorgungsansätze mit medizinisch-technischen Hilfsmitteln, wie beispielsweise Unterschenkelentlastungsorthesen zur Ruhigstellung des Fußes oder dynamische Fußheberorthesen. Zudem kann die Fertigung des letztendlich eingesetzten Hilfsmittels entweder industriell oder handwerklich erfolgen. Unabhängig vom Versorgungsansatz fehlt für viele Krankheitsbilder jedoch der Nachweis über die krankheitsbezogene Wirksamkeit. Die Bewertung der Funktionalität und somit des Behandlungserfolgs ist meist von den Erfahrungen der verantwortlichen Orthopäden und/oder Orthopädietechniker abhängig. Mangelnde Anpassung und Funktionalität kann in der weiteren Folge, bspw. beim diabetischen Fuß-Syndrom, zu einer Amputation führen. Ziel der Versorgung ist es daher, eine suffiziente Wirksamkeit der Orthese zu ermöglichen. Die Wirksamkeit ist durch Prüfverfahren zu belegen, sodass die damit ggfs. einhergenden Mehrkosten durch die Krankenkassen übernommen werden.

Beim diabetischen Fuß-Syndrom ist zur Gewährleistung einer ausreichenden Ruhigstellung insbesondere die Prüfung des Steifigkeitsverhaltens der Orthese notwendig. Um darüber eine Aussage treffen zu können, wird die Orthese einem Fuß-Dummy angelegt. Dieser Fuß-Dummy ist dem jeweiligen Trägerbein individualisiert angepasst. Sensorisch sind die Bewegungen bei den natürlichen Gelenkachsen des entsprechenden Fußes auswertbar. Für die Individualiserung wird ein 3D-Scan des Patientenbeins angefertigt, auf dessen Basis die individuellen Einzelteile des Fuß-Dummys mittels additiver Fertigungsverfahren produziert und daraufhin mit den Gelenkteilen verbunden werden. Mit dem Fuß Dummy und dem Prüfverfahren soll ein einheitlicher Standard zur Bewertung der Funktionalität von Unterschenkel- oder Knöchelorthesen geschaffen werden.

Vorteile

  • Individuelle Anpassung der Orthese
  • Erfassung der Steifigkeit oder Beweglichkeit
  • Standardisierte Auswertung
  • Verbesserung der Versorgung
  • Verringerung der Amputationsrate

Kommerzielle Anwendung

Allein in Deutschland liegen die jährlichen Gesundheitsausgaben exemplarisch bezogen auf das diabetische Fuß-Syndrom bei rund 2,5 Mrd. Euro. Diese Ausgaben sind u. a. auf die hohe diabetesbedingte Amputationsrate zurückzuführen. Der neu entwickelte Fuß-Dummy inkl. dem Prüf- und Auswerteverfahren bietet einen technisch und wissenschaftlich begründeten Standard zum Nachweis bspw. einer adäquaten Ruhigstellung des Fußes durch die Orthese. Hiermit kann einerseits eine ideale Patientenversorgung gewährleistet werden. Andererseits ergibt sich das Potenzial der Kostenersparnis für Krankenkassen, da Amputationen vermieden werden können.

Aktueller Stand

Die Funktionalität kann an einem Prototyp demonstriert werden. Der Fuß-Dummy und das Verfahren zum Testen der Orthese sind zum Patent angemeldet. Gerne informieren wir Sie über den Verfahrensstand. Im Namen der Universität Paderborn bietet PROvendis interessierten Unternehmen die Möglichkeit zur Lizenzierung und zur Weiterentwicklung an.

Relevante Veröffentlichungen

Schafran, T.; Schraeder, D. T.; Schramm, B.; Kullmer, G.: Postoperative Versorgung des Charcot-Fußes mittels Unterschenkelorthese – aktueller Stand der Versorgung und Perspektiven der additiven Fertigung. In: OT World.connect 2020: Internationale Leitmesse und virtueller Weltkongress für Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. Leipzig, 27. bis 29. Oktober 2020, ePoster.

Eine Erfindung der Uni Paderborn.


Catherine Hartmann


in Elternzeit